Warteschlangen-Gespräch

Gestern kam ich mit einem Mann, der vor mir an der Kasse bei Aldi stand, ins Gespräch. Ziemlich schnell stellte er mir die Frage, ob ich denn wissen würde, was auf meinem Personalausweis unter Staatsangehörigkeit stehe: Da steht nämlich „DEUTSCH“ und nicht BRD. Komisches Thema für Fremde an einem Samstagabend in der Warteschlange mit vollen Einkaufswagen (in seinem befand sich überwiegend Schokopudding). Ihn schien das gerade akut zu beschäftigen, da er „das alles“ erst vor zwei Tagen herausgefunden hatte und daher kam vielleicht sein starkes Mitteilungsbedürfnis (…). Er redete leicht fanatisch darüber weiter, wie wir alle seit Jahrzehnten verarscht werden, dass es die BRD gar nicht geben würde usw. Ich wusste nicht so ganz, was er von mir wollte und war ehrlichgesagt doch leicht verwirrt – der Mann war mir nicht geheuer. Er redete weiter, einen Monolog, bis er an der Reihe war und gab er mir nach dem Bezahlen noch den Hinweis auf eine Internet-Seite. Hoffentlich treffe ich den nicht so schnell wieder…

5 Gedanken zu „Warteschlangen-Gespräch

  1. Jette Artikelautor

    Ja, stimmt. Aber meistens fällt einem das richtige/bessere/coolere Verhalten immer erst danach ein 🙂

  2. hundeblick

    Das hat schlicht und einfach den historischen Hintergrund, dass die Bundesrepublik die DDR nie richtig als Staat anerkannt hat. DDR-Bürger galten ebenso als „deutsch“ wie BRD-Bürger und bekamen ja auf Wunsch problemlos einen Westdeutschen Pass.

    Also gab es aus Sicht der BRD nur „deutsch“ und keinen Grund für die Unterscheidung zwischen BRD und DDR.

    (Im Übrigen war die Abkürzung „BRD“ im Westen offiziell nicht gebräuchlich)

    🙂

  3. Jette Artikelautor

    Stimmt, das war damals der Alleinvertretungs-Anspruch von Westdeutschland…

  4. hundeblick

    Naja, so kann man es ausdrücken. Letztendlich hat man halt die Teilung nicht akzeptiert. Einen konsequenten Alleinvertretungsanspruch gab es jedenfalls z.B. im Sport nicht, oder?

Kommentare sind geschlossen.